Behandlung

Steht die Diagnose Brustkrebs fest, so ist ein operativer Eingriff in den meisten Fällen unumgänglich. Beim metastasierenden Mammakarzinom ist ein operativer Eingriff jedoch selten sinnvoll, da es sich in diesem Stadium nicht mehr um eine lokal begrenzte Erkrankung handelt. Abhängig vom Stadium der Erkrankung kann heute durch zusätzliche medikamentöse Behandlungen der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Es gibt zahlreiche verschiedene therapeutische Substanzen zur Behandlung des metastasierenden Mammakarzinoms. Ihr Arzt ist bemüht, dasjenige Medikament bei Ihnen einzusetzen, welches in Ihrem Fall als das Aussichtsreichste erscheint. Jedes der Medikamente hat sein eigenes Nebenwirkungsprofil, das Ihnen Ihr Arzt erklären wird. Wichtig ist, dass bei Nichtansprechen auf eines der Medikamente auf eine andere Substanz umgestellt werden kann.

 

Im metastasierenden Stadium der Brustkrebserkrankung ist die hormonelle Therapie meist erste Wahl und wird nahezu bei allen Patientinnen durchgeführt. Im Vergleich zur Chemotherapie hat die hormonelle Therapie weniger Nebenwirkungen. Je nach Alter und Vorbehandlung stehen verschiedene Präparate zur Verfügung.

Auf den Tumorzellen befinden sich "Andockstellen", so genannte Rezeptoren, für körpereigene Hormone wie z.B. Östrogene. Wenn diese Rezeptoren in einer bestimmten Menge vorliegen, spricht man von einem "positiven Hormonrezeptorstatus". Über die Bindung von Östrogenen an diese spezifischen Bindungsstellen erfährt die Krebszelle einen Wachstumsreiz. Durch eine gezielte Blockade der Bindung z.B. mit dem Antiöstrogen Tamoxifen wird der Wachstumsreiz unterbunden. Eine weitere Möglichkeit, in diesen Mechanismus einzugreifen, sind so genannte Aromatasehemmer, die zu einer Hemmung der Östrogenproduktion führen. Schließlich gibt es noch die Option der Gestagene, bei denen es sich um natürliche Gegenspieler der Östrogene handelt.

Eine hormonelle Therapie kann nur dann eine potenzielle Wirkchance haben, wenn am Tumor ein positiver Hormonrezeptorstatus nachgewiesen ist. In bestimmten Fällen wird gelegentlich auch bei Rezeptornegativität z.B. mit Aromatasehemmern behandelt werden, etwa wenn aufgrund von Begleiterkrankungen oder aus Altersgründen eine Chemotherapie auch als Monotherapie nicht infrage kommt. Auch falls Patientinnen generell eine Chemotherapie nicht wünschen, ist eine Hormontherapie mit einem Aromatasehemmer zu überlegen.

 

Die Strahlentherapie hat einen hohen Stellenwert bei der Behandlung von Knochenmetastasen, Hirnmetastasen und Thoraxwandmetastasen, da hier die Chemotherapie der Strahlentherapie unterlegen ist. Operation und Strahlentherapie sind jedoch lokal begrenzte Therapieformen, die beim metastasierenden Mammakarzinom als alleinige Therapiemaßnahmen oft nicht ausreichen.

 

Die Chemotherapie steht erst an zweiter Stelle nach der Hormontherapie, wobei man möglichst versuchen wird, als erste Option eine einzelne Substanz (Monotherapie) einzusetzen. Je nach Ausprägung der Erkrankung kann jedoch auch ein Kombinationschemotherapie mit 2-3 Substanzen erforderlich sein.

 

Neben der klassischen Chemotherapie existieren weitere medikamentöse Behandlungsoptionen: Bei Tumoren, die einen bestimmten Wachstumsrezeptor auf der Zelloberfläche zeigen (Her2-Rezeptor) können Substanzen, die an diesem Rezeptor angreifen (Trastuzumab, Lapatinib) eingesetzt werden. Die Bildung von Blutgefäßen im Tumor kann ggf. durch eine Antikörpertherapie (Bevacizumab) beeinflusst werden.