Behandlung

1. Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC)

Wie auch bei vielen anderen Krebserkrankungen stehen bei der Behandlung des NSCLC folgende drei Gruppen an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Chemotherapie

Jede dieser Behandlungsarten hat in der Therapie des NSCLC einen festen Stellenwert.

 

Die Operation

Die Entfernung des Tumors durch eine Operation ist, wenn möglich, die erste Therapie der Wahl. Ziel ist es, das Tumorgewebe möglichst vollständig zu entfernen. Der Chirurg entfernt hierzu den Tumor mit einem zusätzlichen Sicherheitsabstand aus der Lunge. Je nach Tumorgröße und Ausdehnung werden entweder nur ein kleiner Teil der Lunge (Keilresektion), ein bis zwei Lungenlappen (Lobektomie, Bilobektomie) oder eventuell ein ganzer Lungenflügel (Pneumonektomie) entfernt. Exkurs: Um eine bessere Vorstellung über das Ausmaß einer Lungenoperation zu bekommen, veranschaulicht die untenstehende Graphik den groben Aufbau der Lunge. Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln, dem rechten und dem linken Lungenflügel. Diese beiden Lungenflügel werden wiederum weiter in sogenannte Lungenlappen unterteilt. Auf der rechten Seite befinden sich drei auf der linken Seite zwei Lungenlappen. Bei der Keilresektion wird ca. 1/20 einer Lunge entfernt, bei der Lobektomie ca. ein Drittel. Ist der Tumor bereits weiter fortgeschritten so wird mittels einer Pneumonektomie ein ganzer Lungenflügel entfernt.

 

Vorraussetzung vor jeder Operation ist, dass die verbliebenen gesunden Lungenabschnitte die Atemfunktion weiterhin ausreichend übernehmen können. In einigen Fällen kommen vor der Operation eine Strahlen- oder Chemotherapie zum Einsatz. Ziel ist es, durch diese Verfahren, den Tumor zu verkleinern und ihn dadurch besser operabel zu machen. Mediziner sprechen hier von neoadjuvanter Therapie. Wird eine zusätzliche Therapie nach der Operation durchgeführt, dann spricht man von einem adjuvanten Therapiekonzept. Forschungsergebnisse zeigen, dass Patienten bei der Behandlung des NSCLC von einer adjuvanten Therapie stark profitieren können.

 

Die Strahlentherapie

Bei dieser Art der Therapie wird mit energiereicher Strahlung die Tumorregion bestrahlt. Die bösartigen Zellen werden in dieser Region durch die Bestrahlung geschädigt, so dass diese absterben. Im Gegensatz zur Chemotherapie wirkt die Strahlentherapie nicht auf den gesamten Körper, sondern ist örtlich begrenzt.

Bei der am häufigsten angewendeten Bestrahlungsart, von außen durch die Haut, ist es üblich, die Bestrahlung mit kleinen Einzeldosen vier- bis fünfmal pro Woche durchzuführen. Die Einheit der Strahlentherapie ist das Gray. Üblich sind zwischen 1 - 2 Gray pro Tag. Je nach Tumorgröße und Ausdehnung sind insgesamt bis zu 6,5 Wochen Bestrahlungszeitraum, also eine Gesamtdosis von ca. 60-70 Gray notwendig. Die tägliche Behandlungszeit beträgt dabei nur wenige Minuten. Obwohl das Bestrahlungsfeld stark auf den Tumor eingegrenzt wird, werden dennoch einige gesunde Zellen mitbestrahlt. Die Art und das Ausmaß der daraus resultierenden Nebenwirkungen hängt davon ab, welche Körperteile bestrahlt und welche Strahlendosis verwendet worden ist. Patienten reagieren unterschiedlich auf die gleiche Bestrahlung. 

 

Die Chemotherapie

Unter einer Chemotherapie versteht man den Einsatz von Medikamenten, die mehr oder weniger gezielt auf bestimmte krankheitsverursachende Zellen oder Mikroorganismen wirken, diese abtöten oder ihr Wachstum hemmen. Die zelltötenden Stoffe heißen in der Krebstherapie Zytostatika. Umgangsprachlich sprechen heute aber auch viele einfach von „Chemo“. Die Medikamente gelangen entweder per Infusion in den Blutkreislauf oder können heute auch schon teilweise in Form von Kapseln oder Tabletten eingenommen werden. (z.B. das orale Vinorelbin zur Behandlung von Lungenkrebs). Da sich die Medikamente im gesamten Körper verteilen, werden so auch weiter von der Lunge entfernt liegende Regionen, in denen sich evtl. Metastasen gebildet haben, erreicht. Die Chemotherapie wird in sogenannten Zyklen (in der Regel 4-6 Zyklen) verabreicht. Ein Zyklus dauert meist 2-3 Wochen. Exkurs: Das folgende Bild beschreibt wie ein typischer Chemotherapiezyklus aussehen kann. Dabei ist die Zeitachse in Tagen angegeben. 

  

 

Voraussetzung, um mit der Chemotherapie beginnen zu können, ist insbesondere eine adäquate Knochenmarksfunktion, welche vor jeder Chemotherapie bestimmt werden sollte. Die Chemotherapie kann aus einem einzigen Medikament oder aus einer Mehrzahl an Medikamenten bestehen. Diese werden oftmals in einem Zyklus an verschiedenen Tagen verabreicht. In obigem Beispiel wird die Chemotherapie sowohl an Tag 1, als auch an den Tagen 8 und 15 verabreicht. Die Chemotherapie kann sowohl stationär im Krankenhaus erfolgen oder man erscheint nur zur ambulanten Therapie, das heißt, nach der Verabreichung der Medikamente im Krankenhaus, kann man wieder nach Hause gehen. Der Einsatz von Zytostatika kann auch gesunde Zellen angreifen, vor allem diejenigen Zellen, die eine hohe Teilungsrate besitzen. Dazu gehören die Zellen des blutbildenden Systems, Haarwurzelzellen, Mund- und andere Schleimhautzellen. Viele dieser Nebenwirkungen können heute durch die Gabe von Begleitmedikationen abgemildert werden.

 

Neben der klassischen Chemotherapie existieren weitere medikamentöse Behandlungsoptionen: Bei Tumoren, die einen bestimmten Wachstumsrezeptor (EGFR) auf der Zelloberfläche zeigen, können Substanzen, die an diesem Rezeptor angreifen (Erlotinib, Gefitinib) eingesetzt werden. Die Bildung von Blutgefäßen im Tumor kann ggf. durch eine Antikörpertherapie (Bevacizumab) beeinflusst werden.

 

Behandlung in Abhängigkeit von Tumorstadien

In frühen Tumorstadien ist es das Ziel der Behandlung den Tumor komplett zu entfernen und einem Rezidiv bzw. einer Metastasierung vorzubeugen. Während im Anfangsstadium eine alleinige Operation ausreichend sein kann, werden bei lokal ausgedehnten Tumoren meist kombinierte Therapien (z.B. Operation+Chemotherapie, Strahlentherapie+Chemotherapie) angewandt. 

Im metastasierten Stadium ist es das Ziel der Behandlung eine Verlängerung des Überlebens sowie eine Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität zu erreichen. In den meisten Fälle wird hierzu eine Chemotherapie eingeleitet. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Patienten in einem guten Allgemeinzustand befinden. Die Chemotherapie basiert auf einer Platin-verwandten Substanz (Cisplatin oder Carboplatin) plus einem anderen Zytostatikum (z.B. Vinorelbin, Paclitaxel, Docetaxel und andere) und wird 4-6 mal in 3 oder 4 Wochenintervallen verabreicht. Sind die Patienten in einem schlechten Allgemeinzustand so können durch die Gabe nur eines Zytostatikums, sog. Monotherapie, die Symptome ebenfalls gelindert werden.

 

 

2. Kleinzelliges Bronchialkarzinom (SCLC)

Solange eine begrenzte Erkrankung (engl. limited-stage disease; d.h. die Erkrankung ist auf die betreffende Lunge, das Gewebe zwischen den Lungen und auf benachbarte Lymphknoten begrenzt) vorliegt, können folgenden Therapien erfolgen:

  • Kombinierte Radio-Chemo-Therapie, ggf. mit späterer Ganzhirnbestrahlung im Falle eines kompletten Tumoransprechens
  • Kombinationschemotherapie bei Patienten mit Lungenproblemen bzw. reduziertem Allgemeinzustand, ggf. mit späterer Ganzhirnbestrahlung im Falle eines kompletten Tumoransprechens
  • Operation gefolgt von einer Chemotherapie oder von einer Chemo-Radio-Therapie, ggf. mit späterer Ganzhirnbestrahlung im Falle eines kompletten Tumoransprechens

Bei Vorliegen einer ausgedehnten Erkrankung (engl. extensive-stage disease; d.h. die Erkrankung hat über die betreffende Lunge hinaus in andere Organe gestreut) können folgende Therapien erfolgen:

  • Kombinationschemotherapie, ggf. mit späterer Ganzhirnbestrahlung im Falle eines kompletten Tumoransprechens
  • Bestrahlung des Gehirns, der Wirbelsäule, der Knochen und anderer befallener Körperorgane mit dem Ziel der Verbesserung der Symptome sowie der Lebensqualität