Orale Chemotherapie

Orale Chemotherapie bedeutet, dass Sie die Medikamente, die bei einer Chemotherapie verabreicht werden, in Form von Kapseln oder Tabletten zu sich nehmen können. Das hat den Vorteil, dass Sie die Krebsmedikamente bequem örtlich flexibel einnehmen können.

Orale Chemotherapie bedeutet, dass Sie die Medikamente, die bei einer Chemotherapie verabreicht werden, in Form von Kapseln oder Tabletten zu sich nehmen können. Das hat den Vorteil, dass Sie die Krebsmedikamente bequem örtlich flexibel einnehmen können. Die Häufigkeit von Arzt- und Klinikbesuchen lassen sich dadurch auf ein Mindestmaß reduzieren. Außerdem können eine Reihe von Unannehmlichkeiten und Nebenwirkungen vermieden werden:

  • Schmerzen durch die Injektionsnadeln oder beim Legen eines Ports (u.U. postoperative Schmerzen)
  • Infektionen an der Einstichstelle
  • Lokale Venenreizungen
  • Schmerzhafte lokale Schwellungen und Gewebeschädigungen

Nicht zuletzt übernehmen Sie mit der Entscheidung für eine orale Chemotherapie mehr Eigenverantwortung für die Behandlung Ihrer Krebserkrankung. Das kann sich positiv auf Ihr psychisches Befinden und Ihr Selbstwertgefühl und damit auf den weiteren Verlauf Ihrer Krankheit auswirken.

Die Wirkungsweise einer oralen Chemotherapie ist hingegen vergleichbar mit der einer intravenösen Verabreichung. Der Weg des Zytostatikums ist nur ein Anderer. Nach dem Schlucken löst sich die Kapsel oder Tablette im Magen und Darm auf. Der Wirkstoff wird von der Darmwand aufgenommen und an das Blut weitergegeben.

Es können jedoch nur bestimmte Zytostatika oral verabreicht werden:

Vinorelbin
Vinorelbin ist ein Medikament, das aus den Blättern des Madagaskar Immergrüns gewonnen wird. Nach eingehender Untersuchung und Auswertung Ihres Blutbildes hat Ihnen Ihr Arzt Vinorelbin als orale Anwendung verordnet. Das hat viele Vorteile für Sie: Sie sind in der Einnahme örtlich flexibel und müssen nicht zur Infusion ins Krankenhaus oder in die Praxis – Sie gewinnen mehr Zeit. Physische Schmerzen, die zum Beispiel durch Entzündungen der Venen durch eine Infusion entstehen können, werden so gering wie möglich gehalten. Trotzdem müssen Sie sehr verantwortungsvoll und genau mit dem Medikament umgehen und sich strikt an die Anweisungen halten. Die Wirksamkeit des Medikaments ist vergleichbar mit der Gabe des Wirkstoffs in Form einer Infusion. Die Nebenwirkungen sind ähnlich. Häufigste Nebenwirkung ist eine Abnahme der Zahl weißer Blutkörperchen und eine damit verbundene Schwächung des Immunsystems. Erkältungen und Infektionen müssen daher vermieden werden. Achten Sie deshalb auf frühe Warnzeichen wie Fieber oder Husten. Bleibt es bei einer Abnahme von weißen Blutkörperchen, ohne dass zusätzlich Fieber oder eine Infektion auftritt, so wird Ihr Alltag durch diese Nebenwirkung meist nicht beeinträchtigt. Wie bei vielen anderen Chemotherapien kann es auch hier zu Übelkeit/Erbrechen kommen; diesen Nebenwirkungen kann jedoch wirksam vorgebeugt bzw. können diese gut behandelt werden. Prinzipiell müssen auch bei der oralen Gabe von Vinorelbin Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Nehmen Sie Vinorelbin deshalb immer ganz genau nach Anweisung des Arztes ein.

Capecitabin
Die Substanz geht nach der Einnahme schnell und umfassend vom Darm ins Blut über. Erst dann wird Capecitabin im Körper und vor allem im Krebsgewebe selbst zum eigentlichen Zytostatikum – 5-Fluorouracil – umgewandelt. Nach dem heutigen Wissenstand verhindert 5-Fluorouracil den Aufbau der genetischen Informationen in den sich teilenden Zellen und führt dadurch zu deren Absterben. Als Hauptnebenwirkung kann eine Hautreaktion auftreten, die als Hand-Fuß-Syndrom bekannt ist. Dies äußert sich als Rötungen oder Schwellungen mit Schmerzen an Handinnenflächen und Fußsohlen. Ebenfalls sind Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt recht häufig. Hingegen treten unter der Behandlung mit Capecitabin Haarhausfall und Nebenwirkungen am blutbildenden System etwas seltener auf.

Lapatinib
Lapatinib kann zur Behandlung bestimmter (HER2-überexprimierender) fortgeschrittener Brustkrebsarten eingesetzt werden. HER2 ist ein Molekül (Rezeptor), das sich auf der Zelloberfläche befindet. Durch Aktivierung dieses Rezeptors werden Wachstumssignale von der Zelloberfläche in das Zellinnere weitergeleitet und die Zelle teilt sich. Bei einem HER2-überexprimierenden Brustkrebs befinden sich viele Rezeptoren an der Zelloberfläche. Ist die Rezeptordichte sehr hoch, werden viele Wachstumssignale in die Zelle geleitet, die Zelle teilt sich häufig und der Tumor wächst schnell. Lapatinib zählt zu den sogenannten "small molecules", das heißt: es ist so klein, dass es in die Zelle eindringt und dort die Weiterleitung des Wachstumssignals blockiert. Als Hauptnebenwirkungen können Magen-Darm-Beschwerden sowie Hautausschläge auftreten.

Erfahrungsbericht einer Patientin aus Ravensburg zur Oralen Chemotherapie:

Chemotherapie - zuhause und anderswo
„....Freitags war dann immer mein privater „Chemotag“, beim ersten Mal etwas nervös gab es das Medikament nach einem kräftigen Mittagessen daheim. Danach passierte nichts wirklich Unangenehmes und so wurde ich immer mutiger mit der mir überantworteten Art und Weise der Einnahme. Abgesehen von Durchfällen und einer Leukopenie vertrug ich das Medikament gut. Auch auf Besuchsreisen begleiteten mich die Kapselschächtelchen. Der Umgang damit wurde für mich immer selbstverständlicher, die Kapseln hatten sich in meinen Alltag einzufügen und nicht ich meinen Alltag ihnen unterzuordnen...“

Weitere Erfahrungsberichte finden Sie hier:
Die orale Chemotherapie als Behandlungsalternative